Bauliche Ursache
Ratten im Abwasserrohr: die bauliche Ursache
Ratten gelangen über bauliche Öffnungen in der Abwasserleitung ins Gebäude: über einen alten Anschluss, der bei einem Umbau nie verschlossen wurde, über eine gebrochene Muffe, über einen Riss mit Substanzverlust, über eine schadhafte Schachtsohle oder über einen Schachtdeckel, der nicht schließt. Die Leitung ist damit nicht Lebensraum, sondern Weg.
Auf dieser Seite geht es um diesen Weg und darum, wie er sich schließen lässt. Was mit den Tieren selbst geschieht, ist Sache eines Schädlingsbekämpfungsbetriebs und nicht Gegenstand dieses Portals. Beides hängt zusammen: Solange die bauliche Öffnung besteht, bleibt der Weg offen.
Die baulichen Stellen, die als Zugang in Frage kommen
Alle diese Stellen fallen bei einer Kamerabefahrung auf, sofern die betroffene Haltung mit befahren wird:
- Ein aufgegebener Anschluss, der bei einem Umbau abgetrennt, aber nie verschlossen wurde.
- Eine gebrochene oder offene Muffe, an der die Rohrenden nicht mehr aneinanderliegen.
- Ein Riss mit Substanzverlust oder eine Stelle mit fehlender Wandung.
- Eine schadhafte Schachtsohle oder eine offene Fuge zwischen Schachtteilen.
- Ein Schachtdeckel, der nicht auf seiner Auflage sitzt, oder ein Schacht ohne Deckel.
- Eine nicht abgedichtete Durchführung durch die Kellerwand oder die Bodenplatte.
- Ein Fallrohr oder eine Lüftungsleitung, deren Abschluss fehlt.
- Rattenschutzklappe
- Ein mechanisches Bauteil, das in eine Abwasserleitung oder in einen Schacht eingebaut wird und sich nur in Fließrichtung öffnet. Abwasser läuft hindurch; der Weg entgegen der Fließrichtung bleibt versperrt.
- Zwei Abgrenzungen sind wichtig. Erstens ist eine Rattenschutzklappe keine Rückstausicherung: Sie ist nicht dafür ausgelegt, dem Druck einer anstehenden Wassersäule standzuhalten, und ersetzt weder einen Rückstauverschluss noch eine Hebeanlage. Zweitens ist sie ein bewegliches Bauteil in einer Abwasserleitung — sie braucht einen Zugang und eine wiederkehrende Kontrolle, sonst blockiert sie irgendwann in der einen oder der anderen Stellung.
Beobachtung und was sie über die Leitung sagt
Die mittlere Spalte nennt die bauliche Lesart. Sie ersetzt keinen Befund, grenzt aber ein, wo zu suchen ist.
| Beobachtung | Was sie über die Leitung nahelegt | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Geräusche in der Leitung oder hinter der Kellerwand | Ein begehbarer Weg in der Leitung oder in einer Durchführung in Wandnähe | Befahrung der Grundleitung einschließlich der Anschlüsse |
| Ein Tier im WC oder im Bodenablauf | Ein durchgehend offener Weg vom Kanal bis zur Ablaufstelle | Befahrung; anschließend prüfen, ob eine Klappe sinnvoll ergänzt werden kann |
| Spuren im Keller entlang der Leitungstrasse | Eine Öffnung in der erdverlegten Leitung oder in einer Durchführung | Befahrung mit Lagebestimmung, dann die Durchführungen prüfen |
| Löcher oder Gänge im Garten über der Trasse | Eine undichte Stelle, an der Erdreich ausgespült wurde | Befahrung der betroffenen Haltung |
| Geruch und Fliegen am Revisionsschacht | Ein Deckel ohne Dichtung, stehendes Wasser oder eine schadhafte Schachtsohle | Schacht prüfen lassen, Deckel und Sohle in den Auftrag aufnehmen |
| Nach einem Umbau erstmals Beobachtungen | Ein Anschluss, der bei der Baumaßnahme abgetrennt und nicht verschlossen wurde | Befahrung mit Blick auf die Anschlüsse und den Bauzustand |
Alle Beobachtungen sind Anlässe für eine Untersuchung. Welcher Weg tatsächlich offensteht, zeigt die Kamera und nicht die Vermutung.
Öffentliches Netz und eigenes Grundstück
Der öffentliche Kanal wird von der Gemeinde oder dem beauftragten Netzbetreiber betrieben und unterhalten. Was auf dem eigenen Grundstück liegt, gehört zur Grundstücksentwässerungsanlage und damit in die eigene Zuständigkeit. Wo genau die Grenze verläuft, steht in der Entwässerungssatzung der Gemeinde — und daran hängt, wer welche Öffnung schließen lässt.
Ob eine Beobachtung der Gemeinde zu melden ist, regeln kommunale Satzungen; es gibt dafür keine für alle Gemeinden gleiche Vorgabe. Ein Anruf bei der Gemeinde klärt beides in einem Zug: ob eine Meldung erwartet wird und wo für Ihr Grundstück der Übergabepunkt liegt.
Für den eigenen Teil der Anlage gilt die gewohnte Reihenfolge: reinigen, befahren, bewerten, dann die Öffnungen schließen. Ein aufgegebener Anschluss wird dabei dauerhaft verschlossen, eine offene Muffe oder ein Riss wird nach dem Befund repariert oder von innen ausgekleidet, ein schadhafter Schacht wird instand gesetzt.
Was der Betrieb prüfen sollte
Damit der Auftrag die Ursache erfasst und nicht nur das Symptom, gehören diese Punkte hinein:
- Alle Haltungen der Anlage, nicht nur die, an der etwas beobachtet wurde.
- Die Anschlüsse einschließlich derer, die nicht mehr genutzt werden.
- Der Revisions- oder Kontrollschacht mit Sohle, Fugen und Deckel.
- Die Durchführungen durch Bodenplatte und Kellerwand.
- Falls eine Rattenschutzklappe vorhanden ist: ob sie beweglich ist und ob ein Zugang zur Kontrolle besteht.
- Die Dokumentation: Video, Bericht und Lageplan, damit sich die geschlossenen Stellen später nachweisen lassen.
Häufige Fragen
Wie kommen Ratten ins Haus?
Ratten gelangen über bauliche Öffnungen in der Abwasserleitung ins Gebäude — über einen nicht verschlossenen Altanschluss, eine gebrochene Muffe, einen Riss mit Substanzverlust, eine schadhafte Schachtsohle, einen nicht schließenden Schachtdeckel oder eine nicht abgedichtete Durchführung durch Wand oder Bodenplatte. Der Weg lässt sich mit einer Kamerabefahrung finden.
Hilft eine Rattenschutzklappe?
Eine Rattenschutzklappe versperrt den Weg entgegen der Fließrichtung an der Stelle, an der sie sitzt. Sie schließt aber keine offene Muffe, keinen Riss und keinen nicht verschlossenen Altanschluss, die weiter hinten in der Leitung liegen. Sinnvoll ist sie deshalb als Ergänzung nach dem Befund, nicht als Ersatz für die Beseitigung der baulichen Öffnung.
Ist eine Rattenschutzklappe dasselbe wie eine Rückstauklappe?
Rattenschutzklappe und Rückstauverschluss sind zwei verschiedene Bauteile mit zwei verschiedenen Aufgaben. Die Rattenschutzklappe versperrt einen Weg entgegen der Fließrichtung, der Rückstauverschluss hält dem Druck des im Kanal ansteigenden Abwassers stand. Wer Schutz vor Rückstau braucht, braucht ein dafür ausgelegtes Bauteil — die Rattenschutzklappe ersetzt es nicht.
Wer ist zuständig, wenn Ratten aus dem Kanal kommen?
Für den Teil der Anlage auf dem eigenen Grundstück ist die Eigentümerseite zuständig, für das öffentliche Netz die Gemeinde oder der beauftragte Netzbetreiber. Wo die Grenze verläuft, legt die Entwässerungssatzung der Gemeinde fest. Ob eine Beobachtung zu melden ist, regeln ebenfalls kommunale Satzungen — eine für alle Gemeinden gleiche Vorgabe gibt es dafür nicht.